Farmschule Naos


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Entwicklung
1978 Auf Naos entsteht eine der allerersten Farmschulen Namibias:
Anfang des Jahres stellt das Ehepaar Scholz einen Antrag auf Errichtung einer Schule. Ab Februar besuchen Kinder im Alter von sechs bis sechzehn Jahren die erste Klasse. Als Klassenzimmer dient die kleine ehemalige Farmkirche, außerdem wird eine Lehrerwohnung eingerichtet. Die Kinder sind mit Feuereifer dabei und machen gute Fortschritte, lesen, schreiben, rechnen und singen. Die größeren Jungs gehen im Anschluss an die Schule wie gewohnt zur Arbeit.
1979 Am 21. März findet die offizielle Einweihung der Farmschule durch den General-Administrator M.R. Steyn statt. Nach seiner Gattin wird die Schule "Yvonne-Steyn-Skool" genannt. Im Mittelpunkt der Feier stehen die Schulkinder, die eine Vorführung mit Gesang und Tanz vorbereitet haben.
1980 Fast fünfzig Kinder besuchen die Farmschule, die nun vier Klassen umfasst. Deshalb ist ein Neubau mit einem weiteren Klassenzimmer und einem Lehrerbüro nötig geworden. Zusätzlich zum Unterricht für die Kinder findet seit dem Frühjahr auch ein abendlicher Lese- und Schreibkurs für die Eltern statt. Zum Jahresende können sie schon ein bisschen Zeitung lesen.
1981 Die jährliche Weihnachtsfeier wird zunehmend durch Darbietungen der Schulkinder bereichert. Sie singen, tragen Verse vor und lesen aus der Bibel. Sämtliche Farmbewohner kommen um einen kleinen Christbaum - einem Kameldorn - zusammen und werden von den Farmern beschenkt: Kleiderstoff für die Frauen, Süßigkeitenpäckchen für die Kinder.
1982 Aus Spendengeldern erhalten die Schulkinder warme Kleidung für den Winter. Frau Scholz schreibt nach Deutschland: "So können die Kinder an einem kalten Morgen lernen statt zu zittern."
1983 Fünf Schüler beenden die sechste und letzte Klasse der Farmschule Naos. Sie dürfen in die siebte Klasse eines Internats auf einer anderen Farm wechseln. Ihre Ausstattung wird durch Spenden möglich, da ihre Eltern arbeitslos sind. Sie leben sich nur langsam ein, da sie zum ersten Mal den Familienverband verlassen. Den in den nächsten Jahren nachfolgenden Naoser Schülern fällt die Umstellung leichter, da sie Bekannte vorfinden.
1985 Jedes Jahr strömen mehr Kinder in die Farmschule, zunehmend auch von Nachbarfarmen. Von den Absolventen schaffen jährlich sechs bis zehn die Aufnahme in die weiterführende Schule.
1987 Der Schulkomplex wächst um ein Wohnhaus für die Lehrer. Da viele Kinder täglich in kilometerlangen Fußmärschen zur Schule kommen, besteht schon lange der Wunsch nach einem Wohnheim. Nun kann das Internat endlich in Angriff genommen werden. So sorgt die wachsende Schule auch für weitere Arbeitsplätze auf der Farm.
1988 Zwei große Neuerungen kann die Farmschule vorweisen: eine gut besuchte siebte Klasse und das eben eingeweihte Schülerheim. Heimmutter Magdalene sorgt rund um die Uhr für die Kinder, organisiert, putzt, kocht, backt Brot. Der Staat gibt pro Kind einen kleinen Zuschuss, der für die Versorgung mit Lebensmitteln ausreicht. Die einfache Ausstattung von Küche und Schlafsälen stammt aus Spendengeldern.
1989 Die erfolgreichste Naoser Schülerin, Maria, absolviert die zehnte Klasse eines Internats in Windhoek, der Hauptstadt Namibias, und beginnt eine Ausbildung zur Lehrerin. Im Zuge der Loslösung von Südafrika und der damit verbundenen Lockerung der Apartheid steht den Farmschülern erstmals ein Internat im nahe gelegenen Rehoboth offen, das die Naoser Schulabgänger künftig besuchen. In Rehoboth sind sie nicht mehr so weit von ihren Familien entfernt und haben mehr Bekannte.
1990 Für die Vorschulkinder wird ein kleiner Kindergarten eingerichtet. Außerdem finden erstmals ein Sportfest und ein Schulausflug in die Hauptstadt Windhoek statt. Die Kinder, die zum Teil noch nie eine Stadt gesehen haben, fahren begeistert Rolltreppe und besichtigen den Flughafen.
1993 Die Schülerzahl ist inzwischen auf über sechzig angestiegen, so dass die Schulbehörde eine weitere Lehrerin stellt. Ein Schulsaal mit Bühne, der auch als Klassenzimmer genutzt werden soll, wird von Naoser Arbeitern gebaut. Im neuen Schulgarten können die Kinder und ihre Familien eigenes Gemüse anbauen. Ein so genanntes Schattennetz schützt die Beete vor hungrigen Affen und Vögeln. Lauda, eine Absolventin der Farmschule, trägt die Verantwortung für den Garten und überwacht den Arbeitsplan.
Elfriede übernimmt nach zehn Jahren Schulbesuch den Lese- und Schreibunterricht für die Erwachsenen. Der Abendkurs ist gut besucht, auch wenn er für die Teilnehmer nach der täglichen Arbeit in der afrikanischen Hitze natürlich anstrengend ist.
1995 Da der Bedarf an Internatsplätzen für Kinder von den Nachbarfarmen immer weiter wächst, wird das Schülerheim um ein kleines Gebäude mit zehn Betten erweitert.
Im Frühjahr dürfen fünfzig Kinder mit ihrem Schulleitern einen mehrtägigen Ausflug an die Küste unternehmen. Sie wohnen in einem staatlichen Jugendhaus und versorgen sich selbst. Zum ersten Mal sehen sie das Meer, besichtigen zwei Küstenstädte, den Hafen, eine Fischfabrik.
1996 Wegen der anhaltenden Dürre kann der Schulgarten nicht mehr bewässert werden.
Zwei Naoser Schülerinnen, die jeweils elf Jahre Schulbesuch hinter sich haben, bereiten sich mittels Fernstudium auf das Abitur vor. Da die Prüfungsklausuren im englischen Cambridge nach dortigem Standard korrigiert werden, haben sie allerdings kaum Chancen, zu bestehen. Eine der beiden, Wanda, hält außerdem den Erwachsenen-Abendkurs und leitet den Farmladen.
1997 Die Musikschule Metzingen besucht im Rahmen einer Rundreise Naos, zeigt sich begeistert vom Schulchor und lädt ihn zu ihrem Konzert in der Windhoeker Christuskirche ein. In Eile werden 25 Sänger neu eingekleidet und nach Windhoek gebracht. Die Kinder haben noch nie einen solch großen und hohen Raum betreten wie diese Kirche, überwinden aber bald ihre Scheu, singen wunderschön und bekommen besonders viel Applaus.
1998 Die Schule ist nun so groß, dass zu Schuljahresbeginn Schüler abgewiesen werden müssen.
Der sechzehnjährige Engelhard, der Diabetes hat, muss nach einem längeren Krankenhausaufenthalt die weiterführende Schule in Rehoboth verlassen. Spendengelder ermöglichen seine medizinische Versorgung, eine angemessene Ernährung und seine erneute Aufnahme in die Schule.
2000 Mit Hilfe von Spendengeldern kann ein auslaufendes Entwicklungshilfeprojekt der deutschen Regierung fortgeführt werden, den Maisbrei der täglichen Schulspeisung mit Speiseöl aufzuwerten. Jedes Kind erhält ein Paar Schuhe, denn viele Kinder kommen nach wie vor barfuß zur Schule.
2001 Aus eigener Initiative ist ein Erwachsenenchor entstanden, der sich einmal wöchentlich zu Proben trifft. Die Konzerte mit Gesang und Tanz finden in der Schulaula statt.
2002 Ehemalige Schüler können zunehmend anspruchsvolle Aufgaben auf der Farm übernehmen, wie zum Beispiel den Transport der Farmschul-Absolventen zur High School in Rehoboth und die Bezahlung der Schulgebühren. Auch die neue Heimmutter im Internat, Anneliese, hat die Naoser Schule besucht und anschließend im Farmhaus Haushaltsführung gelernt.
Große Freude herrscht, als zu Beginn des Winters sämtliche Schüler Schuhe bekommen - Spendengelder machen es möglich.
2003 Die Farmschule feiert ihr 25jähriges Bestehen!